Interview

Interview

Warum ein Buch über Barack Obama?

Ist es nicht einfach ein weiteres Obama-Buch?

Wie lange arbeiten Sie an diesem Thema?

Für wen haben Sie dieses Buch geschrieben?

Was zeichnet das Buch aus?

Sind Sie ein Obama-Fan?

Wie soll das konkret gehen? Machen wir kleine Obamas aus Otto-Normalverbrauchern?

Sie sagen, Rhetorik hat Obama erfolgreich gemacht – ist es denn nur die Rhetorik auf die es ankommt?

Was sind die wichtigsten Botschaften dieses Buchs?

Ist amerikanische Rhetorik auf die deutsche Sprache überhaupt umzulegen?

Wenn Sie einem Redner drei Tipps geben können, welche sind das?


ergänzt am 28.12.2008
Was sind typische Zitate aus dem Buch?






Warum ein Buch über Barack Obama?


Weil Barack Obama zu den beeindruckendsten Rhetorikern der Gegenwart zählt.

Rhetorik ist eine der am meisten trainierten und am wenigsten verstandenen Fertigkeiten. Mir geht es in dem Buch darum, die Wirkung exzellenter Rhetorik mit einem aktuellen Beispiel zu präsentieren.


Es ist kein Lehrbuch mit Verweisen auf die hohe Literatur oder mit jahrhundertealten Zitaten. Es soll ein leicht zu lesendes Buch über die moderne Rhetorik sein.


Ist es nicht einfach ein weiteres Obama-Buch?
Diesen Vorwurf muss man sich gefallen lassen, wenn man den Namen „Barack Obama“ auf einen Buchtitel setzt. Dennoch ist es kein Buch wie manche anderen.


Doch die Arbeit für dieses Buch hat nicht mit dem Präsidentschaftswahlkampf begonnen sondern bereits Jahre davor. Dennoch ist es natürlich unmöglich, ein Buch über Rhetorik zu schreiben, über die Kunst, die bewegt, beeinflusst, begeistert, und dabei Barack Obama zu übersehen. Das wäre kein Dienst am Leser.


Statt den Mythos um Barack Obama weiter zu nähren, erforscht das Buch dessen Ursachen. Nicht um Mystifizierung sondern um Erkennen, Verstehen und Anwenden der Muster soll es gehen.


Wie lange arbeiten Sie an diesem Thema?

Die Recherche für dieses Buch begann 2005. Damals habe ich begonnen, Politikern genau zuzuhören und zu analysieren, was unterscheidet die erfolgreichen von den weniger erfolgreichen.


Deswegen finden sich neben vielen Zitaten zu Barack Obama auch Vergleiche mit einem Dutzend anderer Politiker: von Merkel bis Schröder und von Churchill bis Lincoln.


Für wen haben Sie dieses Buch geschrieben?

Es gibt drei große Interessensgruppen:


Menschen, die Barack Obamas Erfolg verstehen und nicht bloß seinem Mythos erliegen wollen.


Menschen, die erkannt haben, wie erfolgskritisch die eigene Sprache ist.


Menschen, die die eigene Kommunikation verbessern, erfolgreicher machen wollen.


Dazu zählen Manager, die Kollegen und Mitarbeiter reibungsfrei motivieren und führen wollen, Verkäufer, die ihre Botschaftenklarer und verständlicher an Kunden bringen wollen und Experten, die fachfremde Personen von ihren Ideen überzeugen wollen.


Was zeichnet das Buch aus?


Gute, geradlinige Lesbarkeit war mir eines der wichtigsten Ziele. Über Sprache zu schreiben kann schnell komplex werden. Ich habe das Buch in einer sehr lockeren Sprache gehalten. „Flockig, Luftig“ wie eine Autorenkollegin sagt. Damit soll das Thema der Rhetorik besser vermittelt werden. Denn: einmal ehrlich, ein Rhetorik-Buch, welches schwer zu lesen ist? Das ist wohl eine Themenverfehlung.

Auch inhaltlich gibt es eine große Besonderheit: es widmet sich völlig der rhetorischen Kunstfertigkeit Barack Obamas. Es ist kein politisches Buch und auch kein Buch über die Person Barack Obamas. Also weder eine Diskussion seiner politischen Positionen noch seines Werdegangs werden Sie in dem Buch finden.
Statt dessen finden Sie das, was Leser für die eigene Praxis nutzen können: rhetorische Werkzeuge für bessere Argumente. Methoden für klarere Kommunikation. Tipps für den rhetorischen Erfolg.



Sind Sie ein Obama-Fan?

Keinesfalls. Wir laufen in Europa generell in Gefahr, nach der wenig beliebten Regierung George W. Bushs, nun in eine Obama-Euphorie zu verfallen. Mit der Idee, alles wäre besser als das was bisher war, wird Obama in höchste Höhen gehoben. Da herrschen Erwartungen, die kaum zu erfüllen sind.


Dabei sind seine Ideen und Positionen durchaus zu hinterfragen.


Mir geht es in dem Buch nicht darum, Obama zu loben oder vernichtend zu kritisieren. Es ist kein politisches Buch.


Es geht darum, die Muster zu erkennen, die Barack Obama so erfolgreich machten. Und es geht darum, diese Muster dann selbst anwenden zu können.


Wie soll das konkret gehen? Machen wir kleine Obamas aus den Otto-Normalverbrauchern?

Es ist nicht nötig, Obama zu kopieren, um von ihm zu lernen. Was ich in meiner Praxis als Manager, Berater und Trainer immer wieder gesehen habe, sind Menschen, die zwar gute Ideen haben, diese aber nicht mitteilen können. Ideen, die nicht mitgeteilt werden, verkümmern. Andere Ideen werden von jenen aufgegriffen, die die Kommunikaiton verstehen – und damit Kunden ansprechen können. Nicht selten geht der, der die eigentliche Idee hatte, leer aus. Wer seine Ideen für seine Gesprächspartner übersezten kann gewinnt: Anerkennung, Geld, Ansehen.


Allgemein gesprochen: wer Fachkompetenz hat, tut gut daran, diese mit rhetorischen Mitteln auch zu kommunizieren.


Sie sagen, Rhetorik hat Obama erfolgreich gemacht – ist es denn nur die Rhetorik auf die es ankommt?

Das ist ein Fehler, den einige machen: sich nur auf die Worte zu konzentrieren aber die Inhalte zu vergessen. In der Politik wird das dann oft Populismus genannt, in der Wirtschaft sind das dann die Blender.


Rhetorik ist – wie Aristoteles es nannte – eine Ergänzungswissenschaft. Sie ergänzt die Fachkompetenz, sie ersetzt diese aber nicht.


Fachkompetenz ist das Grundgerüst, das tragende und bestimmende Element einer guten Rede. Doch so wie Äpfel das bestimmende Element eines Apfelstrudels sind, ergeben eben auch die besten Äpfel noch keinen Strudel und schlechter Teig macht aus den besten Äpfeln nur eine traurige Sache.


Traurig stimmt es mich dann hin und wieder, wenn ich Menschen sehe, die Jahre in ihre Ausbildung investiert haben, die hervorragende Arbeit machen und deswegen im Lauf der Zeit immer mehr Verantwortung bekommen haben. Da finden sich viele, die nie gelernt haben, vor Gruppen zu sprechen. Die haben zwar eine Fachausbildung, manchmal ein Fachstudium und viele fachliche Fortbildungen aber straucheln daran, diese Kompetenz zu vermitteln: an Kunden, Investoren oder Kollegen.


Das ist ein 500 PS Motor in einem tollen Auto ohne passender Reifen: die Kraft kommt nicht zum Tragen, schlimmer noch, sie wird zu einem Hindernis. Da kann dann ein weit schwächeres Fahrzeug mit passenden Reifen
dem Boliden die Schau stehlen. Das sind in der Praxis Mitbewerber, die mit schlechteren Produkten aber einer besseren Kommunikation zum Kunden, mehr Umsatz machen.



Was sind die wichtigsten Botschaften dieses Buchs?

Barack Obamas Erfolg ist kein Wunderwerk sondern das Ergebnis harter Arbeit.



Kernbestandteil seines Erfolgs sind seine Worte, seine Sprache und auf diesen aufbauend sein Charisma.



Die Muster seines Erfolgs sind erlernbar.



Ist amerikanische Rhetorik auf die deutsche Sprache überhaupt umzulegen?


Das ist eine spannende Frage. Denn einerseits verwenden amerikanische Politiker bildhafte Sprache, die im deutschen Sprachraum undenkbar und unerwünscht wäre. Ich denke da an die „Achse des Bösen“ (G.W. Bush) oder auch Obamas „Gänge der Schande“ (corridors of shame), ein rhetorisches Bild mit dem er das Schulsystem der U.S.A. kritisierte. Doch andererseits beklagen wir uns darüber, dass Politik nicht mehr begeisternd ist und, dass immer mehr Menschen immer weniger Interesse an der Politik haben.

Wir kümmern uns weniger um die Inhalte und mehr um die Struktur der Worte. Wenn ich von Ronaldinho lernen will, interessiert mich ja auch nicht wohin exakt er den Ball geschossen hat, ich will wissen WIE er das macht.

Es stimmt, die Inhalte der Reden amerikanischer Politiker sind weit emotionaler als wir das gewohnt sind. Doch nicht die Inhalte der Reden sind für die Rhetorik das einzig Spannende, die Struktur der Reden, wie sie aufgebaut sind und welche Muster darin zu finden sind, das ist das Spannende. Und auch mit weniger emotionalen Worten können wir diese Strukturen füllen und zu eigen machen.



Wenn Sie einem Redner drei Tipps geben können, welche sind das?


Klarheit der Botschaft.
Es muss immer Klarheit darüber bestehen, was gesagt werden soll und was erreicht werden soll. Das ist nicht dasselbe. Ohne Botschaft keine Rede.



Wiederholung der Botschaft
Unterschiedliche Zuhörer benötigen Information unterschiedlich aufbereitet. Wer seine Botschaft wiederholt und dabei die verwendeten Methoden variiert,
gewinnt.



Kürze der Botschaft
Wenn Reden begeistern sollen, sollen sie prägnant sein. Eine Rede sollte kurz, klar und prägnant sein.




Was sind typische Zitate aus dem Buch?


  • Barack Obama ist ein Leonardo da Vinci der Worte.
  • Die meisten großen Rhetoriker hatten Sprachprobleme. Sie überwanden diese durch Übung.
  • Wer berühren will, wählt besondere Worte: einfache Worte.
  • Bei Wahlkampfslogans kommt es kaum auf die Worte und sehr auf den Absender an.
  • Weniger als 12 rhetorische Methoden begründen Obamas Erfolg.
  • Rhetorik ist, zuerst wissen WAS man sagen will, dann erst WIE es gesagt wird.